16
Am nächsten Morgen spielte sich am Strand vor dem Inseldorf eine makabre Szene ab. In der Hafenbucht dümpelten die Schwertschiffe im Wasser. Das Wetter war heiß. Die Männer eilten herbei, um der Bestrafung von zwölf Piraten beizuwohnen, die ein Boot hatten stehlen wollen – mit der offen eingestandenen Absicht, zur nächsten Hafenfestung auf der Inselkette zu fahren. Diese Festung gehörte zu Lome, einem Land, das im äußersten Nordwesten Pandahems lag. Lome war nicht übermäßig groß, besaß jedoch eine wehrhafte Flotte, die waagerechte blaugrüne Streifen in der Flagge führte.
Ich möchte das Schicksal der armen Männer nicht im einzelnen schildern. Ob sie bezahlte Spione waren oder des Piratenhandwerks überdrüssig, oder ob sie sich vielleicht mit ihrem Piratenkapitän zerstritten hatten, sollte ich nie erfahren. Ich wandte mich ab, als die Hinrichtungen begannen, und zog mich zurück, um nachzudenken. Kein Zweifel, mein Fluchtplan mußte verteufelt gut ausgetüftelt sein, sonst würde ich so enden wie die armen Teufel unten am Strand.
Als wir schließlich wieder in See stachen, achtete ich darauf, nicht an Bord von Viridias Flaggschiff zu sein. Wir legten uns mächtig in die Riemen; an Bord der Piratenschiffe kam jeder auf den Ruderbänken an die Reihe, sogar ich, obwohl ich inzwischen zum Anführer der Varteristen, zum Varter-Hikdar, aufgestiegen war.
Aber meine Hoffnung, daß ich mich Viridias Aufsicht eine Zeitlang entziehen konnte, erfüllte sich nicht. Ihr Flaggschiff rückte gefährlich nahe an unsere Ruder heran, und ein Ausrufer brüllte herüber:
»Dray Prescot ü-ber-setzen!«
Wie ein Ponsho-Hund, der mit zusammengekniffenem Schwanz seiner Bestrafung entgegensieht, wurde ich wieder hinübergerudert. Valka und die Männer, die ich als meine Vartergruppe ausgebildet hatte, wurden ebenfalls auf das Flaggschiff geholt.
Viridia war nicht an Deck, als ich an Bord kam. Ein gutaussehender großer Mann, der das rote Haar eines Lohiers hatte, begrüßte mich. Er war Viridias Leutnant gewesen und stolzierte nun mit einer neuen Goldborte herum. Ich vermutete, daß dieser Mann, Arkhebi genannt, Strom Erclans Position eingenommen hatte.
Hinter mir nahm das Schwertschiff, das ich verlassen hatte, seine Boote wieder an Bord, und in vollkommenem Rhythmus senkten sich die Ruder ins Wasser und brachten das Schiff an seine Position im Konvoi. Ich hatte keine Lust auf weitere Übungen am Ruder und sagte: »Du brauchst gute Geschützmannschaften, Arkhebi, da will ich gleich ein bißchen mit den Leuten trainieren. Ich bringe sie schon in Trab.« Arkhebi lächelte.
»Der Kapitän hat Sonderbefehl gegeben, daß du herüberkommst, Dray. Aber sie hat nichts weiter gesagt, und im Augenblick hat sie sich in der Kabine eingeschlossen.« Er schlug mir auf die Schulter. »Halt den Kopf ein bißchen unten, Dray Prescot!«
»Aye, Arkhebi, das will ich gern tun. Und Glückwunsch zu deiner Beförderung.« Ich deutete mit einem Kopfnicken auf unsere sechs Begleitschiffe. »Du wirst sie bald kommandieren.«
»Aye!« sagte er mit entwaffnender Zuversicht.
Mit der Steuerbordbreitseitenmannschaft stürzte ich mich in den Drill. Dabei konzentrierte ich mich mehr auf die Varters, da mit dieser Waffe eine flachere Flugbahn zu erzielen war als mit den normalen Katapulten. Ich strebte die Zielgenauigkeit und Schußgeschwindigkeit an, die ich mir auch auf meinem eigenen Schiff gewünscht hätte. Es mag Ihnen seltsam erscheinen, doch mir fehlte manchmal das rauhe Gebrüll der Breitseiten unserer irdischen Kanonen.
Bald hatte der Wind soweit aufgefrischt, daß die Ruder eingezogen und sämtliche Segel gesetzt werden konnten. Hauptsegel an Fock- und Hauptmast, Besansegel, Topsegel an Fock- und Hauptmast und das Klüversegel – so eilten wir durch das Meer. Schwertschiffe sind eine unangenehme Sorte Wasserfahrzeuge. Ich hätte lieber weiter die Ruder eingesetzt – solange ich nicht selbst auf der Bank schuften mußte. Mit den Segeln legte sich das Schiff schnell herum, die Gischt spritzte uns ins Gesicht, und gewaltige Wassermassen klatschten innenbords. Doch wir machten ziemlich gute Fahrt. So war nun mal das Piratenleben – voller Unbequemlichkeiten, Gefahren, aber auch voller Beute: Silber, Juwelen, Seidenstoffe und seltene Weine ...
Unser erstes Opfer hatte die diagonalen blaugrünen Streifen gesetzt, die auf einen Argenter aus dem Verfluchten Menaham hindeuteten. Wir jagten darauf zu. Einige gut gezielte Schüsse unserer Bugvarters kosteten den anderen einige Stengen. Wir sahen drüben an Deck Waffen schimmern und wollten uns schon in Rammfahrt auf den Gegner stürzen, als Viridia, die sich bei der ersten Sichtmeldung nicht gerührt hatte, an Deck kam.
»Los, ihr Hunde!« brüllte sie in alter Wildheit. »Prescot, du Calsany! Laß deine dummen Varters schießen! Verdien dir deinen Anteil! Knüppelt mir den dicken Ponsho nieder und spart das Blut meiner Männer!«
»Aye! Aye!« Mehr brachte ich nicht heraus, ehe ich mich über die nächste Varter beugte. Die Waffe war gespannt, und ein Felsbrocken von Voskschädelgröße lag im Schlitten.
Ich betätigte den Auslöser, als das Schwertschiff von einer Welle angehoben wurde.
Der Stein fand sein Ziel. Jubelgeschrei ertönte, als sich der Hauptmast des Argenters zur Seite lehnte und in einem wilden Durcheinander von Takelage und Segeltuch ins Kielwasser stürzte.
Danach war die Sache nur noch ein Aufräumen.
Wir erbeuteten Gewürze, Stoffe, große Krüge mit pandahemischen Waren, Juwelenkisten, Waffen und Schmuckstücke und Dutzende von Amphoren. Kostbare Weine verschiedener Sorten wurden von der fröhlichen Mannschaft und den verängstigten Passagieren an Bord geschleppt, die jetzt unsere Gefangenen waren.
»Wir können das Ding notdürftig zurechtflicken«, sagte ich zu Viridia, während wir das lebhafte Treiben beobachteten. »Das Schiff wird uns viel lohisches Gold bringen.«
»Aye, Dray Prescot. Und Gold macht dir Freude, was? Gold ist alles, was du verlangst?«
Ich wandte mich nach ihr um. »Was immer du von mir denken magst, Viridia, ich werde dir und deinen Piraten immer treu sein. Keine Angst.«
»Das rate ich dir auch, Dray!«
In den nächsten beiden Tagen bekamen wir kein anderes Segel zu Gesicht, und Viridia trug sich mit dem Gedanken, zur Insel der Ruhe zurückzukehren. Wir hatten alle Segel gesetzt, und das Meer war dermaßen aufgewühlt, daß der Einsatz von Rudern unpraktisch gewesen wäre. Wenn ich auch etwas gegen das sinnlose Zusammenscharren von Reichtum hatte, wußte ich doch, daß ich auf meinen Piratenfahrten bereits eine ziemlich große Summe zusammengerafft hatte. Nun ging es nur noch darum, ein Schiff zu finden, das mich nach Vallia brachte. Dieses Leben korrumpierte mich.
»Segel voraus!«
Die Männer stürzten aufgeregt an die Reling und sichteten ein weißes Dreieck am Horizont. Nach einigen Burs kam die Takelage eines großen Argenters in Sicht – ein herrlicher Dreimaster unter vollen Segeln. Die Männer begannen schon abzuschätzen, was für Reichtümer sich an Bord befinden mochten.
Dann sah ich die Flaggen, die stolz an den Mastspitzen flatterten. Ganz blau waren sie, von einem stolzen Blau, und in der Mitte des blauen Felds schimmerte der orangerote Kopf eines Zhantil.
Ich kannte diese Flagge!
Pando hatte mir einmal aufgeregt gesagt, daß er einen Zhantilkopf zum Symbol seiner Herrschaft machen wollte – zur Erinnerung an die Zhantiltunika, die ich ihm hatte nähen lassen.
»Beute aus Tomboram!« rief Arkhebi begeistert.
Ich dachte an die Dram Constant und ihre blauen Flaggen, und ich dachte daran, wie wir mit Kapitän Alkers gegen das Schwertschiff gekämpft hatten, auf dem ich jetzt stand. Ich konnte mir sehr gut das Entsetzen und die Aufregung vorstellen, die jetzt auf dem Argenter aus Bormark herrschten.
Mein Gewissen ist ein schlüpfriges Gebilde. Mein Piratendasein hatte mir überhaupt keine Sorgen gemacht, solange ich nur Opfer plünderte, die Feinde von Vallia und Bormark waren. Doch jetzt mußte ich das Schiff eines Freundes erobern und vielleicht vernichten! Es gab keinen Ausweg aus meinem Dilemma; wie konnte ich diese Sache bereinigen, ohne daß mir ein Womox den Kopf vom Rumpf trennte?
»Segel reffen!« brüllte Arkhebi aufgeregt. Eifrige Hände machten sich ans Werk. Wir mußten die Segelfläche reduzieren, sonst schossen wir an dem Argenter vorbei wie ein Zorca an einem Vove.
Unsere vier Begleitschiffe – ein Schiff war mit dem erbeuteten Menaham-Argenter umgekehrt – lagen weit zurück. Wir waren zunächst mit dem stolzen Argenter Pandos allein. Vor meinem inneren Auge sah ich ihn und Tilda – doch es war wohl die Erinnerung an Kapitän Alkers, die mein Gewissen anstachelte.
Ich nahm ein langes, starkes Holzstück auf, das ich bequem mit beiden Fäusten umspannen konnte. Dann ging ich zur Reling. Dort schimmerte eine Enteraxt in der Hand eines Mannes, der mit gierigem Grinsen wie fixiert über das schimmernde Meer auf seine Beute starrte. Ich nahm ihm wortlos die Axt ab, fuhr herum, hieb mit ihr in die Brassen des Hauptsegels und durchtrennte mit schnellem Hieb auch die Taue der Hauptrahe.
In einem sirrenden Durcheinander aus reißenden Brassen und Tauen begann das Hauptsegel zu knallen, dann polterte dröhnend die Hauptrahe auf Deck.
Sofort herrschte größte Verwirrung.
Viridia kreischte Befehle, Arkhebi lief brüllend und gestikulierend herbei. Ich eilte nach vorn und wiederholte meine Aktion am Fockmast.
»Dray! Du Wahnsinniger! Hör auf!«
Viridia rannte über das Deck auf mich zu, gefolgt von ihren vier Womoxes, die bereits die Schwerter zogen. Ihre häßlichen Gesichter zeigten keine Vorfreude auf den blutigen Kampf, doch ich wußte, daß sie mich nicht leiden konnten – und sie waren äußerst gefährlich. »Wir können den Argenter nicht aufbringen, Viridia, das ist alles. Der Schaden hier läßt sich schnell beheben.«
Die Männer liefen verwirrt durcheinander, und das Schiff rollte und fiel vom Wind ab, als das Besansegel es herumzog. Mir war alles gleichgültig, solange ich Pandos Schiff nur die Chance zur Flucht eröffnete. Und wirklich – kaum hatte der Argenter aus Bormark unser Problem bemerkt, da begann er auch schon zu wenden und hielt jetzt auf die schützenden Inseln zu, die sich undeutlich am westlichen Horizont abzeichneten.
Wenn ich gehofft hatte, daß Viridia etwas für mich empfand, das die Gewalt ihrer Rache mildern würde, hatte ich mich getäuscht.
Valka und die anderen Angehörigen meiner kleinen Gruppe drängten sich im Hintergrund zusammen und wußten sichtlich nicht, was sie tun sollten. Sie begriffen nicht, was ich erreichen wollte.
»Das Schiff kommt aus einem Land, das mit mir befreundet ist!« brüllte ich. »Niemand beraubt meine Freunde! Vergeßt das nicht!«
»Und niemand stellt sich zwischen mich und meine Beute!« rief Viridia mit schriller Stimme. Sie war außer sich vor Wut, ihr Gesicht war so rot wie mein Lendenschurz. Sie deutete auf ihre Leibwache. »Ergreift ihn – tötet ihn aber nicht! Ich unterhalte mich weiter mit ihm, wenn ihr ihn in Ketten gelegt habt!«
Ich sah zwei rothaarige Männer ihre Langbogen senken und wußte, daß ich eine Chance hatte. Ich warf die Axt zu Boden.
»Dann töte ich auch nicht!« brüllte ich.
Doch schon gingen die Womoxes zum Angriff über.
Sie versuchten mich niederzuschlagen, mich zu verwunden. Sie stürmten so wild heran, daß ich zurückgeschleudert wurde und in die Knie brach. Ich verwendete das lange Holzstück, um mich wieder hochzustemmen. Dann packte ich es, als wäre es mein Krozairschwert, und rammte dem nächsten Womox das spitze Ende in den Unterleib. Noch ehe er ächzend zusammenbrach, hatte ich mein Holzschwert gegen den Kopf des nächsten knallen lassen. Er duckte sich mit der instinktiven Anmut eines Kämpfers, doch das Holz prallte gegen eins seiner Hörner und brach es ab. Er schrie entsetzt auf. Schon wich ich den Klingen seiner Artgenossen aus, die es nun doch auf mein Leben abgesehen hatten. Sie gerieten förmlich in einen Blutrausch. Ich konnte keine Gnade mehr von ihnen erwarten.
Ich hörte Viridia schreien und kümmerte mich nicht um sie. Durch schnelle Bewegungen und Täuschungsmanöver, durch eine ständige Folge von Angriffen und Schlägen hielt ich mir die beiden Womoxes vom Leib, bis ich das Holzschwert über die Rippen des einen ziehen und ihm dann das spitze Ende ins Gesicht stoßen konnte, als er zusammenklappte.
Blutspuckend torkelte er zurück.
Der zweite hatte sich von dem Verlust eines Horns erholt und stürmte heran. Der letzte senkte den Kopf und versuchte mir mit den Hörnern die Augen auszustechen. Ich hüpfte zurück, ließ das Holzstück schwingen und schlug ihm damit den Schädel ein. Der erste Womox, der sich langsam wieder gefangen hatte, griff zusammen mit seinem Kameraden an. Jetzt wurde es gefährlich. Ich umkreiste die beiden, wobei ich das lange Holzschwert schwenkte. Ich glaube nicht, daß es die Womoxes jemals mit einem Langschwertkämpfer zu tun gehabt hatten, denn ich konnte sie mit einer Serie von Passagen verwirren, ohne mich um ihre Dolche zu kümmern, die mich an den Rippen etwas Haut kosteten, und hieb meine Holzwaffe schließlich in das Gesicht eines Womox. Er torkelte zurück, und ich erwischte den letzten mit dem Rückhandschlag, indem ich ihm den Brustkorb eindrückte – dann sprang ich los, und erledigte den letzten Überlebenden.
Der Kampf war schnell und erbarmungslos gewesen, doch bis jetzt war noch nichts entschieden – bildete ich mir jedenfalls ein.
Viridia hatte die Hände vor den Mund geschlagen. »Dray ...«, flüsterte sie.
»Ich will dir nichts Böses, Viridia, aber deine Leibwache existiert nicht mehr.«
In diesem Augenblick hörte ich Valkas schrille Stimme.
»Dray! Hinter dir!«
Ich wirbelte herum. Ein Angehöriger der Brokelsh-Rasse versuchte mich mit einem Axthieb von hinten zu erledigen. Ich sprang zur Seite, und als ihn der Schwung der Bewegung nach vorn riß, gab ich ihm einen Schlag auf den Rücken. Der Mann knallte auf das Deck, doch mein hölzernes Langschwert zerbrach in der Mitte.
»Männer!« brüllte ich und schwang den abgesplitterten Stumpf. »Wir sind Kameraden! Es gibt viele dicke Ponshos auf dem Meer. Uns kann jeden Augenblick ein neues Schiff vor die Varter laufen!«
Viridia stand wie versteinert vor mir. Noch begriff ich nicht das Ausmaß der Katastrophe, die ich über sie gebracht hatte. Ich trat neben sie und versuchte sie zu beruhigen, auch wenn es mir schwerfiel.
»Bitte, Viridia. Versuch mich zu verstehen! Erfülle mir diese Bitte – respektiere die Flagge eines Verbündeten, dann wird alles gut.«
»Du verstehst wohl überhaupt nichts mehr, Dray Prescot?«
Ehe ich etwas erwidern konnte, ertönte der Ruf: »Segel voraus!«
Die Reaktion erfolgte sofort und automatisch. Alle eilten zur Reling – so groß ist die Beutegier an Bord eines Piratenschiffs.
Es war ein breiter Argenter aus Jholaix, wie wir schnell an der blauen Flagge mit der hellroten Amphore feststellten. Dieser Anblick gab mir wieder Mut. Ein Schiff aus Jholaix versprach gute Beute.
Ich sprang in die Wanten, warf den zersplitterten Stumpf des Holzschwertes fort, das mir so gute Dienste geleistet hatte, und zog mein Rapier.
»Seht ihr!« brüllte ich. »Seht, was uns die Götter geschickt haben! Habe ich's euch nicht gesagt?« Ich hob meine Waffe. »Und ihr alle wißt, ihr Meerleems, was ein Schiff auf Jholaix an Bord hat!«
»Aye!« brüllten sie. »Aye, Dray Prescot! Wein aus Jholaix, der beste auf allen Meeren!«
Wie die Wilden machten wir uns daran, unsere Takelage wieder in Ordnung zu bringen. Es wurde viel geflucht, doch als wir wieder Segel setzen konnten, hatten die anderen Schiffe unserer Flotte aufgeholt. Gemeinsam stürzten wir uns auf das Weinschiff aus Jholaix, das keinen Widerstand leistete.
Als die Doppelsonne untergegangen war und die Hoboling-Inseln am Horizont auftauchten, erreichte das Fest an Bord seinen Höhepunkt.
Viridia trat neben mich. »Jetzt hast du also das Kommando übernommen, Dray Prescot«, sagte sie.
»Aber nein, Viridia ...«
»Die Männer folgen dir. Du hast dich als Kämpfer bewiesen. Du bist ein Kapitän des Glücks.«
»Ich bin ein Mann des Friedens. Ich will deine Mannschaften und deine Schiffe nicht! Du wirst andere Leibwächter finden.«
Sie starrte mich an. »Ich hatte ihnen gesagt, sie sollten dich nicht umbringen, und sie haben ihre Schwerter nicht benutzt. Aber dann ...«
»Aber dann wollten sie mich doch töten, Viridia. Das hast du selbst gesehen.«
So standen wir eine Zeitlang nebeneinander, und ich wußte nicht, was sie in diesen Augenblicken dachte.
Im Rückblick fällt mir ein, daß Sie sich vielleicht fragen, warum ich nicht doch das Kommando über die Piraten übernommen hatte. Dadurch hätte ich doch die Möglichkeit gewonnen, nach Vallia zu segeln. Aber so einfach wäre das natürlich nicht gewesen, denn ein Schwertschiff hätte ziemliche Mühe mit der Passage gehabt. Ich kann nur sagen, daß mir dieser Schritt damals nicht vernünftig vorkam.